Viagra – jetzt auch gegen Krebs?

Zusammenfassung: Vor 20 Jahren kam der Klassiker unter den Potenzmitteln, Viagra, auf den Markt. Jetzt bieten sich neue Anwendungen für die Potenzpille an: Hilft Viagra auch gegen Krebs?

Der 27. März 1998 war der Tag, der eine Art sexuelle Revolution für Männer brachte. War es Jahrzehnte zuvor die Anti-Baby-Pille, die das Sexleben der Menschen grundlegend verändert hatte, kam dieses Mal ein Medikament für das "starke Geschlecht" auf den Markt.

Rezeptfreies Viagra eröffnete Männern ganz neue Möglichkeiten. Das mittlerweile wohl bekannteste Medikament der Welt ist vor 20 Jahren mit dem Versprechen angetreten, Männern mit Erektionsstörungen zu neuer Stärke im Bett zu verhelfen. Und das mit durchaus beachtlichen Resultaten.

Viagra 20 Jahre 1 in Viagra - jetzt auch gegen Krebs?

Die Statistiken rund um das Wundermittel lesen sich beeindruckend: Drei Milliarden Potenzpillen sind nach Angaben der Herstellers Pfizer seit der Markteinführung 1998 verkauft worden. Und das ist nur die Zahl zum Originalprodukt. Seit vier Jahren können in Deutschland Viagra Generikas gekauft werden, die nur die Hälfte des Originalpreises von rund 60 Euro pro Packung kosten.

Im Dezember 2017 ist das Patent auch in den USA abgelaufen. Über 30 Milliarden Dollar hat der US-Pharmakonzern Pfizer mit Viagra in den zwei Jahrzehnten umgesetzt – nun gehen die Einnahmen durch die neue Konkurrenz kontinuierlich zurück.

Die Erforschung von Viagra

Die Entwicklung als Potenzmittel war nicht geplant, denn eigentlich suchte Pfizer nach einem Wirkstoff gegen Bluthochdruck. 1989 entwickelten Konzernforscher Sildenafil und testeten die Substanz einige Jahre später an einer Gruppe englischer Arbeiter. Dabei zeigte sich ein überraschender Nebeneffekt: Die Männer berichteten glücklich über länger anhaltende Erektionen beim Sex.

Die Entdeckung von Viagra war der Beginn eines neuen Kapitels der Medizingeschichte. Die Schwäche des Mannes im Bett wurde bis dahin ein Tabu-Thema. Bis Viagra gab es nur recht schmerzhafte Behandlungsmethoden: mit Spritzen in den Penis, Vakuumpumpen oder dem Einsatz künstlicher Schwellkörper. Eine Tablette Viagra hingegen verhilft potenzschwachen Männern binnen einer halben Stunde zu einer harten Erektion, die Wirkung hält 4-6 Stunden an.

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Vom riesigen Verkaufserfolg angelockt entwickelten andere Pharmahersteller ähnliche Produkte, unter anderem Bayer mit dem Mittel Levitra. Zum Hauptkonkurrenten entwickelte sich aber das vom US-Konzern Lilly verkaufte Mittel Cialis. Während die Wirkung von Viagra meist nach 6 Stunden nachlässt, ist Cialis noch bis zu 3 Tage spürbar. Ende 2017 hat auch Cialis seinen Patentschutz verloren.

Hoffnung auf neues Krebsmittel

Was vielen nicht bewusst ist: Der Viagra-Wirkstoff Sildenafil hilft nicht nur potenzschwachen Männern. Zugelassen ist er auch für die Behandlung von Frühchen, bei denen in vielen Fällen die Lungenfunktion noch nicht voll entwickelt ist. Sildenafil hilft, die Blutgefäße zu öffnen, was bei den frühgeborenen Babys den Lungenhochdruck senken soll.

Der therapeutische Einsatz von Sildenafil ist jedoch vermutlich noch nicht beendet. Seit Jahren testen Wissenschaftler die Substanz auf weitere Therapiegebiete. Dabei zeigte sich mehrfach, dass Viagra das Potenzial zur Unterdrückung von Krebs hat.

Schon 2011 wiesen Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg nach, dass Viagra das Immunsystem von Mäusen stärkt. Sie gaben das Mittel Nagetieren mit dem schnell tödlich verlaufenden schwarzen Hautkrebs – die Tiere lebten danach doppelt so lange wie Mäuse ohne Viagra-Zusatz.

Dabei greift Sildenafil nicht den Tumor direkt an. Es unterläuft aber einen Trick, den Krebszellen anwenden, um das körpereigene Immunsystem von sich abzulenken. Bis heute ist allerdings offen, ob sich diese Wirkung auf den Menschen übertragen lässt. Das gilt auch für die jüngst in den USA vorgestellte Entdeckung.

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Forscher an der Universität in Augusta im südlichen US-Bundesstaat Georgia hatten Mäusen geringe Dosen des Viagra-Wirkstoffs verabreicht. In der Hälfte der Fälle ging die Bildung von Polypen im Darm zurück – also abnormen Zellklumpen, die eine Vorstufe von Dickdarmkrebs sein können. Jetzt wird das Mittel an Menschen getestet, die ein erblich bedingt hohes Risiko einer Darmkrebserkrankung haben.

Neue Konkurrenz für Viagra könnte aus ganz anderer Richtung kommen. In Brasilien wurde unlängst die Wirkung des Gifts einer bestimmten Wanderspinne näher untersucht. Der Biss der Phoneutria nigriventer bringt den Erkenntnissen zufolge nicht nur Schmerzen mit sich, sondern löst beim Mann auch eine stundenlang anhaltende Erektion aus. Nun wollen Wissenschaftler prüfen, ob eine Kombination von Sildenafil und dem Spinnengift zu einer Art Viagra 2.0 entwickelt werden kann.

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